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Inhalt

Die neue Rolle des Aufsichtsrates in der Kapitalmarktkommunikation 11 eine vorbildliche Unternehmensführung eine Chance sich güns tiger als der Wettbewerb zu refinanzieren Ruhwedel amp Weitzel 2013 S 40 Ein Beispiel für das gestiegene Interesse des Kapi talmarktes am Handeln des Aufsichtsrates und einen scheinbar zunehmenden Trend markiert das verstärkte Kommunikations bedürfnis der institutionellen Investoren die immer häufiger den direkten Dialog mit dem Aufsichtsrat suchen um verlässliche und glaubwürdige Informationen für ihre Anlageentscheidungen ein zuholen vgl Probst amp Theisen 2014 S 155 Winzig amp Labbé 4 Juni 2011 Laut Bommer und Steinbach 2013 S 220 wäre es nicht nur fatal ein derartiges Kommunikationsbedürfnis nicht ernst zu nehmen sondern entgingen dem Unternehmen damit auch die Chancen auf einen konstruktiven Dialog der wiederum dabei helfe das Vertrauen des Kapitalmarktes in das Unterneh men zu festigen Damit steht der Aufsichtsrat vor einer Reihe von Herausforde rungen Neben der Wiederherstellung seiner Leistungsfähigkeit muss er vor allem sein Öffentlichkeits und Transparenzdefizit überwinden Darüber hinaus bewegen sich Aufsichtsräte heute in einem sehr viel komplexeren Unternehmensumfeld dessen ursprüngliche Vertrauensbereitschaft gegenüber wirtschaftlich konsequentem Handeln einem grundsätzlichen und funda mentalen Misstrauen gewichen ist Dopheide 2014 S 161 und aus dem vielfältige Erwartungen und Kommunikationsbedürf nisse an den Aufsichtsrat herangetragen werden Insgesamt kann damit festgehalten werden dass das Profil des Aufsichtsrates komplexer geworden ist Die Anforderungen an seine Mitglieder sind gewachsen Erwartungen an die Transpa renz der Unternehmensführung weiter gestiegen Die traditionell passive Überwachungsrolle steht einem Wandel zu einer Rechtfer tigungs und Begründungskultur gegenüber die den Aufsichtsrat und seine Mitglieder stärker in das Licht der Öffentlichkeit rücken und eine aktivere und stärker nach außen gerichtete Tätigkeit erforderlich erscheinen lassen Eine wachsende Anzahl an Bezugs gruppen vor allem aus dem Kapitalmarkt verlangt nach einem glaubwürdigen Ansprechpartner Dies führt insgesamt zu völlig neuen teils unbekannten Aufgabenfeldern und Herausforderun gen Die lange Zeit geltende Prämisse die Kommunikation mit Außenstehenden sei e in vermeidbares Risiko Mündemann amp Martin 2013 S 42 und die Konzeption des Aufsichtsrates als reines Innenorgan Lutter Krieger amp Verse 2014 S 134 gilt es in Anbetracht dessen kritisch zu hinterfragen Die vorliegende Arbeit stellt infolgedessen die These auf dass eine gezielt eingesetzte und strategisch verstandene Kommuni kation4 des Aufsichtsrates die sich in den Grenzen seiner Zustän digkeiten bewegt positiv zu einer Bewältigung der dargelegten Herausforderungen5 und Erwartungen und damit langfristig zum Erfolg des Unternehmens beitragen kann Dabei sollte sich der Aufsichtsrat insbesondere der Kommunikation mit dem Kapital markt widmen Forschungsstand In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung findet die kommu nikative Dimension der Aufsichtsratstätigkeit bislang keine expli zite Berücksichtigung In den Wirtschafts und Rechtswissenschaf ten stellt der Aufsichtsrat zwar seit jeher einen viel beachteten Untersuchungsgegenstand dar doch stehen dabei traditionell die Untersuchung des Verhältnisses zu den weiteren Organen des Unternehmens wie bspw dem Vorstand6 der internationale Ver gleich der unterschiedlichen Systeme der Unternehmensführung7 oder strukturelle Aspekte der Aufsichtsratsarbeit8 im Fokus vgl Dutzi 2005 S 109 ff Viel wichtiger und grundlegend für die vorliegende Arbeit sind jedoch die verstärkt geführten Diskussio nen um eine zunehmende Professionalisierung des Aufsichtsrates Besondere Anknüpfungspunkte bieten jene Ansätze die sich mit dem veränderten Aufgabenprofil des Aufsichtsrates beschäftigen nach denen sich der Aufsichtsrat aus einer passiven in eine ver mehrt aktive Rolle bewegt vgl Bleicher 1987 Juhnke 1995 Kuck 2006 Dabei wird die Rolle des Aufsichtsrates bei der Her stellung von Transparenz und Vertrauen in die Unternehmensfüh rung betont sowie die dafür nötigen Strukturen im Gremium und Kompetenzen der Aufsichtsratsmitglieder fokussiert Insgesamt bleibt die Debatte jedoch stark auf Themen wie die Zusammen setzung Vergütung und Informationsversorgung des Gremiums sowie auf die rechtlichen Schranken seiner Aufgabenausübung beschränkt 9 Einen konkreten Hinweis auf die Existenz kommuni kativer Aufgaben des Aufsichtsrates geben lediglich die gesetzlich fixierten Publizitätspflichten des Aufsichtsrates Damit lässt sich in der Debatte um den Aufsichtsrat zwar insgesamt ein breites The menspektrum identifizieren das eine Öffnung des Gremiums be tont eine konkrete Herausstellung kommunikativer Dimensionen der Aufsichtsratsarbeit kann jedoch nicht ausgemacht werden 4 Im Fokus der vorliegenden Arbeit stehen ausschließlich strategische Kommunikations prozesse für die die folgende Definition zugrunde gelegt wird Strategische Kommuni kation ist intentional und strebt Ziele an die den Gesamterfolg des Unternehmens sicher stellen und sicht sic nicht nur auf die reibungslose operative Umsetzung beschränken Zerfaß 2014 S 27 Dazu vertiefend Kap 3 1 5 Die Verfasserin ist sich bewusst dass die Herausforderung der Verbesserung bzw Wie derherstellung der Leistungsfähigkeit des Aufsichtsrates nicht allein kommunikativ be wältigt werden kann Dennoch wird die These aufgestellt dass strategische Kommunika tion über die Verbesserung jener Zustände durch die Herstellung von Transparenz indirekt einen Erfolgsbeitrag leisten kann 6 Dazu vertiefend Kap 2 1 7 Vgl u a Gerum 2007 S 25 ff Schewe 2010 und Dutzi 2005 8 Die Diskussionen beschäftigen sich bspw mit der Anzahl der Aufsichtsratssitzungen oder Aufsichtsratsausschüsse 9 Im Laufe der letzten Jahre verstärkte sich die Debatte um die fachliche Eignung der Aufsichtsratsmitglieder die laut gängiger Meinung nicht mehr zur zeitgemäßen Aus übung des Aufsichtsratsmandates ausreiche Weiterhin stehen Themen wie die Größe des Aufsichtsrates die Anzahl möglicher Aufsichtsratsmandate sowie die Einführung der Frauenquote im Fokus der Aufmerksamkeit vgl dazu z B Berger 2000 Grothe 2006 S 53 BMJV 2015 Einleitung


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