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Inhalt

Die neue Rolle des Aufsichtsrates in der Kapitalmarktkommunikation64 Für die Zielebene wird festgehalten LT10 Strategische Kommu nikation Die strategische Kommunikation des Aufsichtsrates mit dem Kapitalmarkt leistet einen Beitrag zur Erfüllung der überge ordneten Unternehmensziele 4 2 Methodische Umsetzung 4 2 1 Leitfadengestützte Experteninterviews Mit der Aufsichtsratskommunikation wird in dieser Arbeit ein wissenschaftlich bislang wenig beachtetes Feld in den Blick ge nommen das jedoch in der Praxis immer stärker diskutiert wird Darüber hinaus handelt es sich um einen sensiblen und schwer zugänglichen aber dennoch hoch relevanten Bereich der Unter nehmensrealität Um die Nachvollziehbarkeit der dargelegten Annahmen hinreichend überprüfen zu können müssen daher Akteure befragt werden die Wissen über die Realität der Auf sichtsratstätigkeit besitzen oder Zugang zu diesem Handlungsfeld haben Die Verfügbarkeit dieses Wissens wird Experten als Quelle von Spezialwissen über die zu erforschenden sozialen Sachver halte Gläser amp Laudel 2010 S 12 zugeschrieben Laut Meu ser und Nagel 1991 kann dieses Expertenwissen differenziert werden in Betriebswissen und Kontextwissen Dabei repräsentiert der befragte Experte entweder die konkrete Zielgruppe hier also als konkretes Aufsichtsratsmitglied und kann daher auch Aus kunft über ihr eigenes Handlungsfeld geben S 445 oder er agiert lediglich in der Rolle einer zur Zielgruppe komplementären Handlungseinheit ebd Herv i O in der er jedoch gleicher maßen Auskunft über die Kontextbedingungen des Handelns der Zielgruppe liefern ebd kann Für die vorliegende Arbeit ist eine Einbeziehung beider Wissensformen angeraten Denn es kann nicht zwangsläufig sichergestellt werden dass ein Auf sichtsratsmitglied auch tatsächlich für ein Interview zur Verfügung steht aufgrund seines hohen Status sowie des eingeschränkten Zeitkontingents dieser Person und der damit einhergehenden er schwerten Zugänglichkeit Jene Experten verfügen sodann über einen privilegierten Zugang zu Informationen Meuser amp Nagel 2009 S 470 die sie durch ihre Einbindung in organisationale und institutionelle Strukturzusammenhänge und der damit in Zu sammenhang stehenden Tätigkeit erworben haben vgl Liebold amp Trinczek 2009 S 37 A ls FunktionsträgerInnen innerhalb eines organisatorischen oder institutionellen Kontextes Meuser amp Nagel 1991 S 443 steht der Experte weniger als individuelle Person sondern vielmehr als Repräsentant eines interessierenden Erfahrungs und Wissensschatzes im Fokus der Befragung vgl ebd Liebold amp Trinczek 2009 S 37 Flick 2014 S 214 Die Zuschreibung des Expertenstatus ist dabei nicht per se gegeben sondern ergibt sich erst aus den Zielen und Inhalten der For schungsfrage Bähring Hauff Sossdorf amp Thommes 2008 S 92 f Die Expertenrolle ist damit ein relationaler Status Meuser amp Nagel 1991 S 443 der für jedes Forschungsprojekt individuell definiert werden muss s Kap 4 2 2 1 Die Relevanz von Exper ten wissen zeigt sich überdies in dem Potenzial auch für andere Akteure im betreffenden Handlungsfeld als Orientierungspunkt zu fungieren vgl Bogner amp Menz 2009 S 72 f Zusammenfassend lassen sich Experten daher als Personen verstehen die sich ausgehend von einem spezifischen Praxis oder Erfahrungswissen das sich auf einen klar begrenzbaren Problemkreis bezieht die Möglichkeit geschaffen haben mit ihren Deutungen das konkrete Handlungsfeld sinnhaft und handlungsleitend für Andere zu strukturieren Bogner Littig amp Menz 2014 S 13 Um die im Bezugsrahmen beschriebenen Analyseebenen und einzelnen Dimensionen rekonstruieren und auf ihre Plausibilität hin überprüfen zu können ist eine ausreichende Tiefe der Ana lyse die wegen des Aufwandes nur für wenige Fälle zugleich überhaupt realisierbar ist Gläser amp Laudel 2010 S 37 sicher zustellen Dabei ist der persönliche verbale Zugang zu den identi fizierten Wissensträgern Experten elementar vgl Mayring 2002 S 66 Eine geeignete Möglichkeit um das Wissen über die Rolle des Aufsichtsrates in der Kapitalmarktkommunikation zu erschlie ßen und den geforderten verbalen Zugang realisieren zu können ist die qualitative Methode des Experteninterviews die als ein Instrument der Datenerhebung auf einen spezifischen Modus des Wissens bezogen ist auf Expertenwissen Meuser amp Nagel 2009 S 466 Bogner und Menz 2009 S 64 ff schreiben dem Experteninterview unterschiedliche Zielsetzungen zu 112 In der vorliegenden Arbeit werden die Interviews als systematisieren de Experteninterviews verstanden die darauf ausgerichtet sind systematische und lückenlose Informationen über den Untersu chungsgegenstand des Aufsichtsrates und seine Relevanz für die Kommunikation anhand des aus der Praxis gewonnene n re flexiv verfügbare n und spontan kommunizierbare n Handlungs und Erfahrungswissens ebd S 64 der Experten zu gewinnen Experteninterviews sind dem Typus der Leitfaden und darunter den teilstrukturierten Interviews zuzuordnen die mit Hilfe eines Leitfadens der die relevanten Themen und eine Frageliste ent hält das Wissen und die Erfahrungen der Experten zu erfragen versucht vgl Gläser amp Laudel 2010 S 42 Bogner et al 2014 S 27 Das damit beschriebene leitfadengestützte Experteninter view bietet schließlich den Vorteil eine privilegierte Problem sicht Liebold amp Trinczek 2009 S 53 auf die Chancen Risiken sowie Erfahrungen und Ideen zur Aufsichtsratskommunikation mit 112 Bogner und Menz 2009 S 64 ff unterscheiden in Abhängigkeit der Zielsetzung drei Arten von Experteninterviews Das explorative Experteninterview soll dabei helfen ein interessierendes Themengebiet oder Forschungsfeld erstmalig zu struk turieren und eine erste Orientierung herzustellen Davon zu unterscheiden sind das systematisierende Experteninterview s o sowie das theoriegenerierende In terview Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Experteninterviews werden dem Typus der systematischen Interviews zugeordnet Zwar handelt es sich um eine erstmalige Erschließung des Untersuchungsgegenstandes aus kommunikationswissen schaftlicher Sicht was einem eher explorativen Charakter entspricht jedoch konnte in der theoretisch konzeptionellen Phase bereits auf einige hilfreiche Erkenntnis se aus den Wirtschaftswissenschaften sowie auf Beiträge aus der Praktikerdebatte zurückgegriffen werden die als Orientierung und Hilfe zur ersten Systematisierung des Gegenstandes dienten Empirische Absicherung des Bezugsrahmens


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