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Inhalt

Die neue Rolle des Aufsichtsrates in der Kapitalmarktkommunikation 71 dass man sich beispielsweise eine eigene Meinung bilden kann über die Medienresonanz des Unterneh mens dessen Aufsichtsratsvorsitzender man ist Ich verstehe darunter dass man sich eine eigene Meinung bilden kann über die Kommunikationsfähigkeiten des Vorstandsvorsitzenden oder des Vorstandes Ich ver stehe darunter dass man sich eine eigene Meinung bilden kann wie man gesellschaftlich als Unternehmen dasteht Ich verstehe darunter auch dass man sich auch bei großen Budgets nehmen wir mal an große Werbe budgets als Aufsichtsratsvorsitzender eine eigene Meinung bilden kann Das verstehe ich unter eigener kommunikativer Kompetenz In diesem Sinne wird vom Aufsichtsratsvorsitzenden vor allem die Fähigkeit gefordert ein Bewusstsein für die Auswirkungen der eigenen Kommunikation und der des Vorstandes sowie für Entwicklungen im Unternehmensumfeld die mögliche Reputati onsrisiken für das Unternehmen mit sich bringen können schaffen zu können Dieses in der vorliegenden Arbeit als Unternehmens kommunikations spezifisch bezeichnetes Wissen s Kap 2 4 2 S 59 ist laut den Experten zum einen relevant für die adäquate Ausführung seiner Überwachungsaufgabe so z B bei Persona lentscheidungen für die nach Meinung der Kommunikationsbera terin schon bei einer Berufung eines CEOs auch mit berücksichti gen werden müsste wie das am Kapitalmarkt ankommt Zum anderen ist diese strategische Kompetenz auch für die eigene Kommunikation von Bedeutung Da der Aufsichtsratsvorsitzende häufig auch bei der Krisenkommunikation rauskommen muss aber auch weil er eben über ein sehr exklusives Wissen verfügt gebührt ein sensibler Umgang mit diesem Wissen in der Kommu nikation Darüber hinaus sei auch Investor Relations spezifisches Wissen für die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt unbedingt erforderlich Zum Status Quo des Vorhandenseins entsprechender Kompetenzen äußerten sich die Experten sehr unterschiedlich So argumentieren einige Befragte dass es sich dabei vor allem um ein theoretisches Thema handele dass in der Praxis wenig problematisch sei da eine Vielzahl der Aufsichtsratsvorsitzen den eine Vorstands oder zumindest Führungshistorie aufweisen könnten womit die genannten Kompetenzen ohnehin vorhanden seien Wiederum andere Experten konstatieren dem Aufsichtsrat als kommunikativ betrachtet immer noch große Laien drin genden Nachholbedarf Des Weiteren werde es zunehmend auch Aufsichtsratsvorsitzende geben die eine solche Historie nicht auf weisen können und einfach die Sensitivität der Öffentlichkeit also wie sehr man auf sie hört unterschätzen Gegebenenfalls sei auch eine Nachschulung entsprechender Kompetenzen zu bedenken LT 4 2 Trotz dieser teils widersprüchlichen Meinungen zeigt sich auch hier die Einigkeit über die Relevanz entsprechender kom munikativer Kompetenzen womit die in der Leitthese getrof fenen Vermutungen als bestätigt anzusehen sind Damit die Aufsichtsratskommunikation mit dem Kapitalmarkt ihre Potenziale als ergänzende Kommunikation zu der des Vorstandes freisetzen kann ist nach einstimmiger Auffassung der Experten eine enge Abstimmung mit dieser erforderlich Dies bezieht sich auf die Abstimmung mit dem Vorstandsgremium einerseits und den die Kommunikation koordinierenden und unterstützenden Funktionsbereichen und Abteilungen andererseits Koordination mit Vorstand In den Interviews stellte sich schnell heraus dass eine Abgren zung zwischen der Vorstands und Aufsichtsratskommunikation mit dem Kapitalmarkt in erster Linie am übergeordneten strengen Trennungsprinzip des dualistischen Systems der Unternehmens führung orientiert ist bzw sein muss Dieses sieht eine eindeutige Trennung zwischen den strategisch operativen Führungsaufgaben der primären Unternehmensführung und der Überwachungsaufga be der sekundären Unternehmensführung vor diese Abgrenzung zeigt sich auch in der Kommunikation Demnach darf die Zustän digkeit des Vorstandes insbesondere des CEO und CFO als primä rer Ansprechpartner legitimierter Kommunikator und Vertreter des Unternehmens nach außen keineswegs verletzt werden A lles was mit operativer Geschäftspolitik und Ausrichtung des Unternehmens zu tun hat ist erste Aufgabe des Vorstandes Diese Kommunikationshoheit sollte laut des Vertreters eines IR Berufsverbandes vom Aufsichtsrat nicht nur respektiert son dern von ihm selbst auch aktiv nach außen kommuniziert und bei entsprechenden Anfragen auf die klar abgegrenzten Zustän digkeitsbereiche verwiesen werden Eine primäre Zuständigkeit bzw Mitteilungs und Kommunikationsfunktion ergibt sich für den Aufsichtsrat nach Meinung aller Experten immer nur dann wenn es zu Themen kommt bei denen der Vorstand schlichtweg nicht im Fahrersitz sitzt Daher gilt Überall da wo er entschei det da sollte er auch kommunizieren wo er nicht entscheidet sollte er auch nicht kommunizieren weil das ist dann Aufgabe des Vorstandes Demzufolge handelt es sich um eine Abgrenzung auf Themenebene vertiefend s Kap 4 3 3 Eine Möglichkeit zur praktischen Umsetzung sieht ein Experte in der Aufstellung von Leitlinien mit denen die Kommunikationsbereiche und Themen sowie die Prozesse definiert werden die regeln in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt der Vorstand eingebunden werden muss z B wann er zu informieren ist Gleichwohl ist an dieser Stelle kritisch anzumerken dass eine solche Abgrenzungsmöglich Empirische Absicherung des Bezugsrahmens


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