DIRK_PDF_0117_final_230117 Seite 74

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Inhalt

Die neue Rolle des Aufsichtsrates in der Kapitalmarktkommunikation74 gebend dafür sind die gewachsenen Anforderungen sowohl fach lich als auch zeitlich an die Aufsichtsratsmitglieder Die Gremi enkommunikation kann laut den Experten mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden Dazu gehören Ausführungen zu den im Aufsichtsrat vorhandenen Kompetenzen120 z B wie signifikant diese für das betreffende Unternehmen sind oder über wie viele weitere Aufsichtsrats und Vorstandsmandate die Mitglieder ver fügen Angaben zu der Zusammensetzung des Gremiums unter Diversity Aspekten sowie Informationen zur Unabhängigkeit der Mitglieder Auch die Selbstevaluierung des Aufsichtsrates und sei ner Mitglieder könnte nach Meinung eines Investorenvertreters Teil dieser Kommunikation sein Besonders relevant ist diese Form der Kommunikation nach Einschätzung der Experten im Vorfeld und während Aufsichtsratswahlen die häufig mit der jährlichen Hauptversammlung zusammenfallen Drittens wurden auch in den Interviews Sondersituationen wie eine Übernahme als Kommu nikationsanlass hervorgehoben Eine Kommunikationsberaterin erwähnte die in diesem Zusammenhang notwendigen Stellung nahmen von Aufsichtsrat und Vorstand des Zielunternehmens die häufig separat abgegeben werden Über die Kommunikation zu den eigenen Verantwortungsbereichen hinaus konnten durch die Interviews weitere Themen identifiziert werden So kann sich der Aufsichtsrat nach Meinung einiger Experten auch zu Branchenent wicklungen und den geschäftlichen Rahmenbedingungen zum re gulatorischen Umfeld oder zu anderen sehr allgemeinen Themen wie bspw dem demographischen Wandel äußern Damit bewegt sich der Aufsichtsrat auch auf einer Metaebene bei vielen The men die allgemein von Interesse sind ohne halt tatsächlich sehr operativ einzugreifen und sich dazu zu äußern LT 7 Damit hat sich der in der Leitthese formulierte Zusam menhang zwischen den Inhalten und Themen der Aufsichts ratskommunikation mit dem Kapitalmarkt und den originären Aufgaben des Aufsichtsrates als richtig erwiesen Neben der Kommunikation zur Überwachung insbesondere zu Personal belangen der Gremienkommunikation und der vereinzelten Kommunikation in Sondersituationen konnten weitere The men herausgearbeitet werden bei denen sich der Aufsichts rat inhaltlich auf einer sehr allgemeinen Ebene bewegt Mit der Kommunikation zu diesen Themen mit denen vor allem qualitative Faktoren angesprochen werden ist der Aufsichts rat nicht nur Adressat und Repräsentant des Unternehmens sondern auch Botschafter einer guten Corporate Governance Instrumente Für die Aufsichtsratskommunikation mit dem Kapitalmarkt wurden von den Experten eine Reihe unterschiedlicher persönlicher und unpersönlicher Instrumente erwähnt Als grundsätzlich mögliche persönliche Kommunikationsinstrumente wurden genannt die Hauptversammlung Roadshows das persönliche Einzelgespräch auch one on one insbesondere im Vorfeld von Hauptver sammlungen das Collaborative Engagement als persönli ches Gespräch zusammen mit mehreren Investoren der Email Austausch das Telefonat und der Briefwechsel mit den Inves toren Auch unpersönliche Kommunikationsinstrumente sind in der Kapitalmarktkommunikation des Aufsichtsrates denkbar der Aufsichtsratsbericht als Teil des Geschäftsberichts Interviews und Meinungsäußerungsbeiträge in einschlägigen Wirtschafts und Finanzmedien die Website sowie weitere einzelfallabhängige schriftliche Äußerungen wie bspw die Stellungnahme zum Über nahmeangebot Dabei wurde vereinzelt auch auf das Optimie rungspotenzial des Aufsichtsratsberichts hingewiesen der noch stärker dazu genutzt werden könne um tatsächlich substanziell etwas sagen zu können zur Entwicklung des Unternehmens zu den schwierigen Punkten die es zu bewältigen hatte zur Art der Zusammenarbeit noch jenseits der Aufsichtsratsausschüsse Bei der Frage danach welche Kommunikationsinstrumente am bes ten geeignet seien bestand unter den befragten Experten wenig Einigkeit was vermutlich auf die unterschiedlichen Perspektiven zurückzuführen ist Demnach sprach sich der Vertreter der Sei te der institutionellen Investoren sehr deutlich für persönliche Kommunikationsinstrumente insbesondere das one on one Ge spräch aus was den Vorteil biete eine Stunde Zeit zu haben mit dem Aufsichtsrat im Detail diskutieren zu können und Ihre Meinung des Investors Anm d Verf auch rüberbringen zu kön nen Angesichts der Tatsache dass eben jene Investoren auch als treibende Kraft in der Diskussion um die Forcierung der vor allem persönlichen Aufsichtsratskommunikation gelten ist dieses Ergebnis jedoch wenig verwunderlich Im Gegensatz dazu und auch dies ist nicht überraschend favorisiert der Vertreter privater Investoren vor allem unpersönliche Kommunikationsinstrumen te mit denen eine potenzielle Erreichbarkeit aller Investoren ge währleistet werden kann Also wir sind der Meinung dass diese persönliche An sprache einzelner Investoren nicht dem Grundgedan ken des Aktienrechts und auch nicht des Aufsichtsrates entspricht Weil das haben wir ja heute auch schon es gibt eine latente Ungleichbehandlung der Investoren und da muss ich sagen gerade der Aufsichtsrat wäre gut beraten wenn er dafür sorgt dass alle definitiv die gleichen Informationen haben Ähnlich vorsichtig äußerten sich auch die Unternehmensvertreter die dafür plädieren den Zugang zum Aufsichtsrat möglichst zu 120 Die Investorenvertreter erwähnen in diesem Zusammenhang die Termini Kompe tenzlandkarte und Ziel Kompetenzportfolio die einen Hinweis auf die gestiegenen Anforderungen an den Aufsichtsrat liefern und in der Praxis von den Investoren als konkrete Beurteilungsmaßstäbe herangezogen werden Empirische Absicherung des Bezugsrahmens


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